Gut Mößlitz

Die Gegend verspricht dem oberflächlichen Betrachter wenig Aufregendes. Flach ist das Land (gut, im Hintergrund ragt der Petersberg auf, über den vermutlich die Schüler immer noch lernen, dass dieser bessere Hügel die höchste Erhebung auf diesem Breitengrad sei bis zum Ural). Ansonsten: viele Felder, viele Äcker.

Doch mittendrin, etwas abseits der schmalen Landstraße und unweit der eigentlichen Stadt Zörbig, liegt Mößlitz, ein Ortsteil Zörbigs. Mößlitz ist einer dieser Orte, die den Besucher zu überraschen vermögen. Ein Gut, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, das um 1830 seine heutige Gestalt erhielt und knapp hundert Jahre später von Paul Schultze-Naumburg umgebaut wurde, jenem Architekten, der zunächst als Lebensreformer auftrat und sich dann den Nazis andiente, denen er den pseudointellektuellen Unterbau für die Hetze gegen die Moderne lieferte und Argumente zur Verfolgung von deren Protagonisten.

Die DDR-Zeiten überstand Mößlitz eher schlecht als recht. Ein „vernichtendes Gutachten zur Bausubstanz“, so vermeldet es die Website des Gutes, wurde 1995 erstellt. Nachdem sich der Alteigentümer, die Klosterkammer Hannover, und die Verwaltungsgemeinschaft Zörbig geeinigt hatten, wurde 1996 ein Förderverein gegründet und begann die Sanierung. Das Prinzip, erklärt Andreas Voss vom Förderverein: „Das Gut sollte nicht nur zum Angucken sein, sondern genutzt werden.“

Heute zählt man in Mößlitz rund 1000 Übernachtungen, oftmals von Schülern auf Klassenfahrten. Die Nachfrage kommt nicht von ungefähr – langweilen muss sich hier niemand: im Bienenhaus können sich Nachwuchsimker erproben, im benachbarten Gutswald Geländespiele inszeniert werden. Der Museumspfad will erkundet sein, im Lehmofen kann gebacken werden. Wer will, kann ein Kartoffeldiplom erwerben (Mößlitz war jahrzehntelang landwirtschaftliches Versuchsgut).

Obwohl an der Peripherie gelegen, ist Mößlitz zu einem Zentrum der umliegenden Gemeinden geworden. Hier werden Ehen geschlossen, hier feiert man Erntedank oder kommt am Sonntag zum Plausch in der Kaffeestube zusammen.

Mößlitz half Mitte der 90er Jahre, die anschwellende Arbeitslosigkeit etwas einzudämmen: „In der Landwirtschaft fielen drei Viertel aller Arbeitsplätze weg“, erklärt Voss. Auf dem Gut gab es genug zu tun: stand anfänglich die Sanierung im Mittelpunkt, verschob sich der Fokus nach und nach auf die Angebote, deren Ausbau und deren Betreuung.

Kontakt
Förderverein Gut Mößlitz e. V.
Mößlitz Nr. 6
06780 Zörbig    
Fon: 034956 20318
Web: www.gut-moesslitz.de
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