Biogartenküche Quetzdölsdorf

Der Kasten steht offen. Er hat kleine Fächer, in jedem davon liegt ein Apfel. Keinen von diesen könnte man in einem der üblichen Supermärkte kaufen: Die Goldparmäne nicht und ebenso wenig die Ananasrenette. Vom Horneburger Pfannkuchenapfel dürften die wenigsten überhaupt je gehört haben. In Quetz wachsen sie noch. Und was noch wichtiger ist: In Quetz werden diese sich allen egalisierenden Normen verweigernden Früchte geerntet und verarbeitet.

Quetzdölsdorf ist einer von 18 Orten, die heute gemeinsam Zörbig ausmachen. Quetzdölsdorf wiederum ist bereits für sich ein Kunstgebilde, Anfang der 30er Jahre geformt aus den Dörfer Dölsdorf, Zeschdorf und Quetz. In Quetz war einst Erdmannsdorf, der berühmte Architekt des Dessauer Fürsten Franz und der Mastermind hinter dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich. In Quetz hat er das Schloss dem klassizistischen Zeitgeist folgend renoviert. Später schaute Fröbel vorbei, ein nicht minder berühmter Pädagoge. Es scheint, als sei Quetz attraktiv für Menschen, die etwas anders machen wollen.

Christine Wenzel schiebt Töpfe hin und her und schafft Ordnung. Eben noch haben im Nachbarraum an einem Tisch 18 Männer und Frauen gesessen und gemeinsam gespeist: Praktikanten, Leute von den Baufirmen und solche die auf eigenen Wunsch und befristet über die Arbeitsagentur gekommen sind, Mitglieder des Vereins „Land.Leben.Kunst.Werk.“ Der Speiseraum und die benachbarte Biogartenküche befinden sich in der einstigen Scheune des ehemaligen Quetzer Pfarrhauses. Die Biogartenküche ist das jüngste Projekt des Vereins, finanziert wurde es aus LEADER-Mitteln.

Vor zehn Jahren gegründet, kam der „Land.Leben.Kunst.Werk. e.V.“ 2005 nach Quetz, um hier seine Angebote für Jugendliche auszubauen und die Idee von einer nachhaltigen Landkultur praktisch zu leben. Ein Hochseilklettergarten und Baumhäuser entstanden, ein Biogarten wurde angelegt. Seminare wurden angeboten. Quetz wurde allmählich zu einem Ort, der von Auswärtigen besucht wurde.

Was Wenzel und ihren Mitstreitern im Verein ebenfalls vorschwebt, ist eine gewisse Rückbesinnung. Eine Rückbesinnung auf die Ressourcen des ländlichen Raums. Zu diesen Ressourcen gehört der Horneburger Pfannkuchenapfel ebenso wie die Früchte der Kornellkirsche, von der die Menschen 40 Jahre dachten, die seien giftig, wie Wenzel amüsiert erzählt. Und dann wäre noch das unterschätzte Gemüse: Als Rohkost kenne man es noch, aber was man damit kochen könne, glaubt Wenzel, sei oftmals vergessen.

In der Biogartenküche soll eben dieser Umgang mit dem verkannten Gemüse wieder gelehrt werden. „Dafür planen wir zum Beispiel Seminare.“ Im nächsten Jahr sollen die anlaufen.

Anderthalb Jahre beanspruchten die Arbeiten an der Scheune, von der nur eine Ruine geblieben war und die nahezu komplett erneuert werden musste. An ihre ursprüngliche Nutzung erinnert nichts mehr: Im Erdgeschoss befinden sich Küche, Lagerräume und Speisesaal, im Stockwerk darüber Unterkünfte für etwa zwei Dutzend Personen. In den Fluren lagern Kürbisse, die demnächst zu Konfitüre weiter verarbeitet werden sollen, die dann unter anderem über einen neuen Onlineshop vertrieben werden sollen.

Denn auch dazu dient die Biogartenküche: In ihr werden Leckereien „Made in Quetz“ geköchelt. Und es sollen mehr werden, indem man nicht nur die Früchte aus dem Pfarr- und dem Schlossgarten verarbeitet, sondern aus dem ganzen Dorf entgegen nimmt. „Und wenn wir zunächst daraus einfach nur einen Quetzer Rumtopf machen“, lacht Christine Wenzel.

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