Bethaus Chörau

Der Weg nach Aken war weit, im Chörau hatten sich viele Protestanten angesiedelt. Also, meinten die Chörauer, es sei nun an der Zeit, dass ihnen die Domänenkasse in Magdeburg eine eigene Kirche finanziere. Doch die Geldverwalter winkten ab: keine Kirche.

Das war Ende des 18. Jahrhunderts, und bis heute gibt es in Chörau, einem gleich neben Dessau gelegenen Dorf mit 240 Einwohnern, keine Kirche. Dafür ein Bethaus, das zu finanzieren sich die Magdeburger in zähen Verhandlungen bereit fanden. 1790 wurde es eingeweiht: ein schlichter Bau von quadratischem Grundriss, klassizistisch angehaucht. Möglicherweise von Erdmannsdorff inspiriert, dem Haus- und Hofarchitekten des Dessauer Fürsten Franz, aber wohl nicht von ihm gebaut. Erdmannsdorff arbeitete nahezu ausschließlich in Anhalt-Dessau, Chörau gehörte zur preußischen Provinz Sachsen.

Vermutlich kennt niemand das Chörauer Bethaus so genau wie Helmut Schultze. Der Architekt aus Aken plant die Sanierung des Gebäudes, dem eine Kombination aus Alter und engagierten aber unfachmännischen Reparaturen zugesetzt haben. „Am wichtigsten war“, sagt Schultze, ein neues Dach draufzubekommen, das alte wäre in fünf, sechs Jahren durch gewesen.“

Das Dach ist seit diesem Jahr dank Geldern aus dem LEADER-Programm gedeckt, denkmalgerecht mit Biberschwänzen. Im Mai wurde eine neue Kupferkrone mit Kreuz als Ersatz für die Wetterfahne aufgesetzt. Und außerdem haben sich Schultze und die Gemeinde durchsetzen können: es wurden Regenrinnen angebaut, obwohl die Denkmalschützer darüber wenig begeistert waren. Allerdings ist Schultz sicher: das einfach vom Wasser tropfende Dach ist eine Ursache für die massiven Schäden am Sockel. Dazu kam, dass für Ausbesserungsarbeiten ungeeigneter Mörtel verwendet wurde.

Nun hat man das Mauerwerk aufschneiden lassen, um eine Feuchtigkeitssperre einbringen zu können. Der ursprünglich profilierte Sockel soll demnächst wiederhergestellt werden.

Wer das Bethaus betritt, wird zunächst überrascht von dessen Größe und findet eine Baustelle vor. Die Bänke sind zusammengeschoben und von einer Plane bedeckt.

Ansonsten zeigt sich das Innere geradezu spartanisch. Nicht nur die Kerzenleuchter an der Stirnseite zeugen vom im Mangelsystem DDR gestärkten Improvisationstalent – dass sie aus Konsolen für Spülbecken gefertigt wurden, ist ihnen nicht anzusehen.

Doch wer sich umschaut, sieht auch hier Bauschäden: da bröckelt Putz von den Wänden, und um die einfachen Fenster ist es ebenfalls nicht zum Besten bestellt, sie sollen aufwändig ausgebessert werden. Wieder ist ein Teil der Schäden erst entstanden, weil man Mängeln abhelfen wollte – ein häufig zu beobachtendes Phänomen an historischen Gebäuden. Wahrscheinlich müssen deshalb die Chörauer dankbar sein, dass Pläne zur Vergrößerung des Bethauses in den 20er Jahren Pläne blieben.

Mit einiger Sicherheit wäre ansonsten nicht nur ein Portal entstanden, sondern in späteren Jahren viel Frust am Bau.

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