Begegnungsstätte Raguhn-Jeßnitz

Der Schlüssel steckt fest im Schloss. Kim Wittig, der Wirtschaftsförderer von Raguhn-Jeßnitz, dreht ihn hin, dreht ihn her. Nichts. Er rüttelt an der Eingangstür. Nichts. Kurz flucht er, dann versucht sich Edda Römmling an dem störrischen Schloss. Vergebens. Die Tür bleibt verschlossen, den beiden ist das peinlich, weil auch über die Hintereingänge der Weg ins Innere des Hauses versperrt bleibt. Anderthalb Stunden später ruft Wittig die inzwischen weitergereisten Besucher an – jetzt könnten sie rein.

Raguhns Mittelstraße ist eine recht kurze Straße, dominiert wird sie von einem recht wuchtigen Gebäude. „Pera-Werke“ erklärt eine Metalltafel neben dem Eingang, was für „Pohle & Erben“ steht. Die 1883 gegründete Firma mixte Essenzen, Destillate und Grundstoffe vor allem für die Getränkeindustrie. Es ist einer der Firmen, die kaum jemand außerhalb Raguhns kennt, und deren Produkte doch – versteckt und doch unverzichtbar – in Brausen oder Likören allgegenwärtig sind. Pera, später Esra, blieb bis 2006 in der Muldestadt und zog dann nach Thalheim um, wo ansonsten die einst gefeierten, heute von wirtschaftlichen Nöten gebeutelten Solartechnikfirmen beheimatet sind.

Ein paar Stufen geht es gleich hinter der Tür hinauf ins Hochparterre. Links und rechts liegen die einstigen Produktions- und Laborräume. Eine Etage höher steht man vor einer offenen Wohnungstür, durch die es in ein wahres Labyrinth von kleinen und großen Räumen geht. Edda Römmling wandelt durch die Zimmer, bleibt in einem stehen, meint, dass hier vielleicht der Billardtisch aufgebaut werden könnte.

Römmling ist Chefin eines vom Arbeitersamariterbundes in Raguhn betriebenen Jugendklubs. Der befinde sich, gibt sie zu, „in einem ganz maroden Objekt“. Römmling ist schon seit Jahren auf der Suche nach einem neuen Quartier. Und nicht sie allein. Der Heimatverein der Kleinstadt mit seiner Sammlung sucht eine neue Bleibe, die Bibliothek ebenso. Einige Zeit war der Bahnhof im Gespräch, dann rückte das leerstehende Esra-Werk in den Mittelpunkt des Interesses. Die Stadt winkte ab. Zu teuer.

Was dann passierte, erstaunt. Ein Förderverein Begegnungsstätte Raguhn-Jeßnitz gründete sich, skizzierte eine Projektidee, all die Suchenden unter einem Dach zu vereinen und warb um Spenden. Mit Erfolg. Bei einer Auktion bekam der Förderverein den Zuschlag und schenkte der Stadt Raguhn-Jeßnitz das alte Industrieensemble, um es – mit finanzieller Unterstützung aus dem LEADER-Programm – zu einer Begegnungsstätte umzubauen.

Römmling führt durch das Gebäude: hier, sagt sie, wird die Halle zum Auspowern entstehen, dort der Saal für Veranstaltungen und Lesungen. Und hier könnte vielleicht der Sanitäternachwuchs einziehen.

Bis es endgültig soweit ist, wird noch einige Zeit vergehen, das Gebäude nach und nach in Besitz genommen werden. Doch künftig dürfte es tatsächlich zu einem Ort werden, an dem sich Jung und Alt begegnen.

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