Zabitz: Bio-Energie-Center

Am Steuer dieses Lkw sitzen kein Lutz und kein Manni. Sondern ein „Holzbläser“, behauptet jedenfalls das Schild hinter der Windschutzscheibe. Markus Kaufmann zirkelt den für die schmale Straße beinahe zu groß wirkenden Silowagen auf das Gelände des Bioenergie-Centers.

Zabitz ist eines der vielen sehr kleinen Dörfer rund ums anhaltische Köthen; bis zur Gebietsreform gehörten zur Gemeinde noch Maxdorf und Thurau. Sechs Straßen gibt es im Ort, die längste trägt den Namen des kommunistischen Funktionärs Ernst Thälmann.

So klein Zabitz sein mag: hier hat eine Firma ihren Sitz, die ein nur vermeintliches Allerweltsprodukt liefert. Dass sie in der Datei Kunden aus ganz Sachsen-Anhalt führt und manchmal der „Holzbläser“ nach Potsdam unterwegs ist, widerlegt die vorschnelle Vermutung. Holzpellets, als Alternative zu fossilen Rohstoffen verstärkt nachgefragt, können viele liefern; und sie sind in jedem Baumarkt erhältlich. Dass sie aus dem Silofahrzeug direkt in den Pelletspeicher gepumpt werden, ist bislang keine Selbstverständlichkeit.

79 wird der Zabitzer Brennstoff- und Mineralölhandel Kaufmann im April dieses Jahres. Es ist ein alter Familienbetrieb. Markus Kaufmann, einer der beiden Söhne von Firmeninhaber Klaus-Jürgen Kaufmann, vertritt die vierte Generation. Sein Großvater Lothar kann sich noch an jene Zeiten erinnern, als man mit einem blubbernden Lanz Bulldog bis nach Bitterfeld tuckerte; der Hanomag-Lkw, Baujahr 1935, in den 60er Jahren angeschafft, steht noch in der Garage. Die Kaufmanns lieferten Kohle in Zabitz und den umliegenden Dörfern aus; Brikettfabriken gab es damals noch in der Nähe. Ansonsten gab es bei den Kaufmanns, was auf dem Land so gebraucht wird: Kalk oder Dünger zum Beispiel. Ein Lebensmittelgeschäft betrieb man auch.

Markus Kaufmann wendet den Lkw und fährt ihn unter einen aus der Lagerhalle ragenden Rüssel. Die Halle, das war einst ein Kuhstall, jahrelang rottete der vor sich hin, verfiel, wurde nicht gebraucht.

Der Kuhstall als Lager

Bis ihn die Kaufmanns für sich entdeckten. Heizöl oder Kohle hat jeder Brennstoffhändler im Angebot – Pellets jedoch deutlich weniger. Eine Nische? Man nahm Sackware ins Programm. Das war 2005, der Erfolg eher mau. „Wir mussten“, erklärt Markus Kaufmann, „uns etwas einfallen lassen“.

Holzpellets werden aus Holzresten wie Sägespänen unter hohen Druck zu kurzen Stiften verpresst. Ein Kilogramm von ihnen entspricht dem Heizwert von einem halben Liter Öl; Mitte Januar konnte man die gleiche Heizleistung mit Pellets für 60 Prozent des Preises von Öl einkaufen.

Kaufmanns brauchten ein Lager. Am Stammsitz gab es keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten. Der alte Kuhstall aber, der wäre geeignet gewesen. Die Kaufmanns planten und rechneten und stießen auf das LEADER-Programm, ein EU-Programm, das speziell für ländliche Räume aufgelegt wurde. Dessen Besonderheit: es ist einerseits sehr flexibel und wird andererseits von lokalen Aktionsgruppen vor Ort gemanagt, in denen sich nicht nur Behörden- oder Verbändevertreter wiederfinden, sondern ebenso Akteure. Die Kaufmanns erkundigten sich. Und: LEADER schien für ihre Idee eines „Bio-Energie-Centers“ zu passen.

Die Halle steht voller Bigpacks, jedes fasst eine Tonne. 130 Tonnen lagern derzeit hier, man wolle, erklärt Markus Kaufmann, die Kapazität auf 350 Tonnen schrittweise erweitern. Im hinteren Teil der Halle führt ein Band an der Wand nach oben zur Befülleinrichtung für das Silofahrzeug. Und so wie es hier in Zabitz regelrecht betankt werden kann, wird der Inhalt beim Kunden in dessen Pelletsspeicher eingeblasen – die Lieferung ist damit so komfortabel wie die von Heizöl. Als Bonus obenauf gibt es ein Stück gutes Umweltgewissen: Pellets nämlich sind CO2-neutral.

Kontakt
Bio-Energie-Centrum
K.-J. Kaufmann
Thurauer Weg 5a
06369 Zabitz    
Fon: 03496 212532
Funk: 0171 1239661    
Mail: Brennstoffe.Kaufmann@t-online.de
Web: www.brennstoffe-kaufmann.de
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