Reppichau: Kunstprojekt Sachsenspiegel

Als er etwa im Jahr 1220 sein Werk begann, das er den „Sachsenspiegel“ nennen sollte, konnte Eike von Repgowe nicht ahnen, welcher Wurf ihm damit gelingen sollte. Das Rechtsbuch wurde ein Dauerbrenner, eine Art juristischer Bestseller, den unter anderen anhaltische Gerichte noch 1899 bei der Entscheidungsfindung konsultierten (auch wenn sie dort empfohlene Strafen wie das Abhacken der Hände oder das Rädern nicht mehr verhängten). Erst ab 1900 galt in Anhalt das Bürgerliche Gesetzbuch.

Wenig weiß man über Eike von Repgowe, der vermutlich zwischen 1180 und 1190 geboren wurde und irgendwann nach 1233 starb. Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, dass jener Mann, der die wichtigste Gesetzessammlung seiner Zeit schrieb und sich dabei nicht des Lateinischen, sondern der mittelniederdeutschen Sprache bediente, dass also dieser Mann tatsächlich aus dem etwas abseits der großen Straßen zwischen Köthen und Dessau gelegenen Dorf Reppichau stammt, nur lassen es die meisten Indizien als sehr wahrscheinlich erscheinen.

In Reppichau selbst lässt man keine Zweifel gelten, nennt sich „Eike-von-Repgowe-Dorf“. Spätestens wenn der Ortsfremde, vielleicht den Europa-Radweg R1 entlang radelnd, den Dorfteich erreicht hat, wird ihm sympathisch-unmissverständlich signalisiert: Reppichau ist mehr als ein beliebiges Dorf. Am Rand des Weihers haben sich sieben Figuren versammelt, jede etwa fünf Meter groß. Unter ihnen: ein Papst und ein Kaiser, die laut Sachsenspiegel beiden Schwerter, eine Umschreibung für das Weltliche und die kirchliche Macht.

Die Großfiguren, mittelalterlichen Sachsenspiegel-Illustrationen entlehnt und über das LEADER-Projekt gefördert, sind das augenfälligste Merkmal des „Kunstprojekts Sachsenspiegel“. „Es ist ein Freilichtmuseum zur deutschen und europäischen Rechtsgeschichte“, erklärt Erich Reichert, seit Jahren ehrenamtlicher (Orts)Bürgermeister Reppichaus und Vorsitzender des Fördervereins „Eike von Repgowe“.Er hat ganz wesentlichen Anteil an der Wiederentdeckung des berühmten Dorfbewohners von einst, den 1934 die Nazis mit großem Pomp für sich vereinnahmen wollten: Damals versammelten sich in dem Dorf führende Nazis. Unter ihnen einer, der bald grausige Berühmtheit als Verbrecher in Richterrobe erlangen sollte – Roland Freisler. 25 Jahre später unternahmen die Kommunisten einen halbherzigen Versuch, sich dem mittelalterlichen Rechtsexperten zu nähern. Zu den Gästen zählte Hilde Benjamin, Richterin bei mehreren Schauprozessen in der DDR. Danach schien von Repgowe und der Sachsenspiegel dem halboffiziellen Vergessen anheim gegeben.

Erst 1984 und auf wesentliches Betreiben Reicherts erinnert man sich anlässlich eines Dorfjubiläums an jenen Mann, dessen Name eng mit Reppichau verbunden war und feierte ihn beim Festumzug. Der Keim für die Repgowe-Begeisterung war gelegt, sollte richtig allerdings erst wiederum ein viertel Jahrhundert später aufgehen. 2001 gründete sich der Förderverein und schrieb den Anspruch Reppichaus als ein historisches Zentrum europäischer Rechtsgeschichte fest (auch wenn von Repgowe mit Sicherheit sein Werk nicht an diesem Ort verfasst hat). Überall im Ort finden sich Motive und Sprüche aus dem Sachsenspiegel, es gibt ein Besucherzentrum mit Festsaal und ein in einer ehemaligen Mühle untergebrachtes Museum unter dessen aus LEADER-Mitteln finanzierten neuem Dach auch die Faksimiles der vier berühmten von Hand illuminierten Sachsenspiegel-Ausgaben zu besichtigen sind.

Kontakt
Eike-von-Repgow e. V.
Erich Reichert (Vorsitzender)
Eike-von-Repgow-Straße 8
06386 Reppichau    
Fon: 034909 70700
Mail: foerderverein@reppichau.de
Web: www.koethener-land.de/kunstprojekt-sachsenspiegel-in-reppichau
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