Edderitz: Naherholungszentrum

Das Land verheizte sich selbst, riss Löcher in seinen Leib und Braunkohle heraus, an der es sich wärmte. Nach Braunkohle gierte das Land, roch das Land, und manchmal stank es nach ihr. Die DDR war mit weitem Abstand der größte Braunkohleförderer weltweit. Über 300 Millionen Tonnen des fossilen Brennstoffs mit mäßigem Heizwerk grub es Jahr für Jahr aus der Erde und ließ dafür ganze Landschaften und Orte verschwinden.

Auch Edderitz. Verglichen mit anderen Gruben, war das Loch fünf, sechs Kilometer südlich von Köthen von bescheidender Dimension und doch groß genug, das alte Edderitz zu schlucken. Das neue entstand nördlich der Grube. 100 Jahre nach Beginn der Förderung und nach sechs Millionen Tonnen Kohle war hier nichts mehr zu holen. 1957 konnten die Pumpen rund um die Grube abgestellt werden. Der Grundwasserpegel stieg und der Tagebau füllte sich mit Wasser. Nach einigen Jahren war Edderitz für die Bewohner der näheren Umgebung an heißen Sommertagen ein willkommener Zufluchtsort geworden. Dass Bergbaulandschaften Badeseen werden, ist heute nach den großen Stilllegungen in den 1990er Jahren selbstverständlich. Edderitz aber zählte, wenngleich nicht offiziell, zu den Vorreitern eines Trends, der heute (in der Lausitz) die größte künstliche Seenlandschaft Europas entstehen lässt.

Edderitz ist das kleine Gegenstück, das den Verantwortlichen erst ins Bewusstsein rückte, als die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sich anschickte, das über 40 Meter tiefe Loch zu sanieren. Vor allem dessen Böschungen galt es zu stabilisieren; sie drohten abzurutschen, nachdem 1992 Schluss war mit dem Abpumpen von Wasser für die Landwirtschaft. „Dann hat man sich daran gemacht, und das Seebad konzipiert“, erklärt Bernd Thormann, zuständig für Bauleitplanung in der Stadt Südliches Anhalt, zu der Edderitz nach der sachsen-anhaltischen Gebietsreform vor wenigen Jahren gehört.

Trainingsstrecke für Biathleten

2003 wurde der Bebauungsplan für das Naherholungszentrum Edderitz aufgestellt, und dieses seither Jahr um Jahr weiter ausgebaut. Die Gelder dafür kommen aus unterschiedlichen Töpfen, unter anderem aus denen des europäischen LEADER-Programms, das helfen soll, ländliche Räume voranzubringen und als ausgesprochen flexibel gilt, wenn es um die Verwendung der Gelder geht. So führt heute um den See eine rund vier Kilometer lange Skate-, Rad- und Wanderstrecke, die nicht zuletzt von den durchaus erfolg- aber nicht schneeverwöhnten Köthener Biathleten genutzt wird. LEADER half bei der Finanzierung von Camping-, Park- und Spielplatz ebenso wie bei der des Bootsanlegers. „Wir sind“, betont Thormann, „noch nicht am Ende der Fahnenstange.“ Tatsächlich scheint der gern etwas vorschnell vergebene und Großes behauptende Begriff vom „Zentrum“ im Falle des Edderitzer Sees zuzutreffen: Rund um den 400 Meter langen Strand entstand und entsteht eine Naherholungsinfrastruktur, die mit Rosen- oder Barfuß- Garten ebenso lockt wie mit eigens angelegter Einstiegsstelle für Taucher.

Doch selbst Thormann staunte, als er im Sommer am Bad vorbeikam und an den Autos Nummernschilder aus Wittenberg oder aus Halle entdeckte. Insofern trifft es der Begriff Naherholungszentrum wohl doch nicht ganz.

Kontakt
Stadt Südliches Anhalt
Annelie Fiedler
Leninplatz 8
06388 Südliches Anhalt, OT Edderitz    
Fon: 034976 32104
Mail: edderitz@t-online.de
Web: www.gemeinde-edderitz.de
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